Eine schöne Tradition bilden mittlerweile die Schülerprojektwochen am Fachbereich Mathematik/Informatik der Universität Kassel. Hier finden interessierte Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit zu erfahren, dass die Mathematik ein wenig mehr bieten kann, als es der Schulstoff erahnen lässt. Es ist eine Chance, einen Einblick in den Uni-Alltag zu gewinnen und sich vielleicht ein erstes Bild von einem Mathematik-Studium zu machen. Wie in den vergangenen Jahren werden auch 2002 wieder Schülerprojektwochen stattfinden; die erste Projektwoche ist geplant für die Zeit 18.-22.02.2002 und wird unter dem Thema "Symmetrie" stehen. Eingeladen sind Schülerinnen und Schüler der Klassen 12 und 13 aus Kassel und Umgebung.

Zum Thema:

Symmetrie spielt in vielen Bereichen der Mathematik eine zentrale Rolle. Aus der Schule bekannt ist der Begriff hauptsächlich aus Geometrie (Symmetrie-Eigenschaften spezieller Figuren) oder Untersuchung von Funktionen (Achsen- und Punktsymmetrie). Aus der Kryptographie bekannt ist der Begriff des symmetrischen Verschlüsselungsverfahrens. Solche Beispiele gibt es viele; der Begriff der Symmetrie scheint allgegenwärtig. Allgemein gesprochen versteht man unter Symmetrie stets die Eigenschaft mathematischer Objekte, unter speziellen Transformationen invariant, also unverändert zu sein. Den Versuch, den mathematischen Begriff der Symmetrie zu systematisieren, unternimmt beispielsweise die Gruppentheorie. Dieser und zahlreiche andere Aspekte sollen in der Projektwoche behandelt werden.

Organisatorisches:

Die Schülerprojektwoche 2002 wird stattfinden in der Zeit 18.-22.02.2002 und zwar täglich von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Verschiedene Mitarbeiter des Fachbereichs 17 werden zum Oberthema Symmetrie Vorträge halten. In der Regel besteht im Anschluss an die Vorträge die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder das Gehörte an Hand von Übungen zu vertiefen. In der Zeit von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr besteht die Möglichkeit, in der Mensa oder der Cafeteria zu essen. Am Mittwoch, 20.02.2002, wird es einen allgemeineren Informationsnachmittag geben, an dem man alles rund um die Uni und das Mathematik-Studium erfahren und das fragen kann, was man schon immer fragen wollte.

Geplanter Ablauf:

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18. Februar 2002     09.15 Uhr Begrüßung und Organisatorisches  
Dr. Markus Wessler 
Symmetrische Funktionen und symmetrische Gruppe (liegt als pdf-Datei vor)
13.15 Uhr Dr. Andreas Klein 
Die Mathematik der Ornamente  (liegt als pdf-Datei vor)
19. Februar 2002     09.15 Uhr Prof. Dr. Wolfram Koepf 
Fußbälle, platonische und archimedische Körper (liegt als pdf-Datei vor)
13.15 Uhr Prof. Dr. Gunter Malle
Kugelpackungen (liegt als pdf-Datei vor)

20. Februar 2002     09.15 Uhr

Prof. Dr. Bernd Wollring  
Symmetrie als Konstruktionsprinzip in der Papierfaltgeometrie  

13.15 Uhr

Informationsnachmittag mit Kaffee und Kuchen  
21. Februar 2002     09.15 Uhr Prof. Dr. Hans-Georg Rück
Darstellung von Zahlen als Summe von zwei Quadraten (liegt als pdf-Datei vor)
13.15 Uhr Dr. Ralf Schaper
Symmetrien in den Darstellungen von Funktionen einer bzw. zweier reeller Veränderlicher
22. Februar 2002     09.15 Uhr Dr. Markus Brede
Über die Kreiszahl Pi
13.15 Uhr Abschluss

Zu den Vorträgen:

Dr. Markus Brede: Über die Kreiszahl Pi
Die Größen Umfang (U) und Flächeninhalt (A) des symmetrischen Objekts der ebenen Geometrie schlechthin, des Kreises, sind bekanntlich proportional zum Kreisradius r bzw. zu dessen Quadrat. Der sehr elementare Charakter der hierdurch motivierten Definition für Pi, nämlich das Verhältnis U/2r, einerseits und die scheinbar regellose Folge der Nachkommastellen (etwa in der Dezimaldarstellung) der damit festgelegten "Kreiszahl" Pi andererseits lassen diese Zahl Laien wie Fachleuten gleichermaßen faszinierend erscheinen. Ziel des Vortrags ist es, einen Überblick über elementare Verfahren zur Approximation von Pi und zugleich Gelegenheit zu geben, etwa mit Hilfe einfacher Algorithmen selbständig solche zu gewinnen.

Dr. Andreas Klein: Die Mathematik der Ornamente
Die Pflasterung der Ebene mit gleichartigen Teilen findet man in vielen Beispielen von Architektur und Kunst. Ziel dieses Vortrags ist die Bestimmung aller 17 "wesentlich" verschiedenen Parkette. (Hier gibt's ein Beispiel einer Parkettierung nach Escher)

Prof. Dr. Wolfram Koepf: Fußbälle, platonische und archimedische Körper
Anhand der Eigenschaften eines Fußballs, welcher aufgrund seiner Bauart ein sogenannter Ikosaederstumpf ist, werden Eigenschaften von Polyedern betrachtet. Eine wichtige Eigenschaft wird vom Eulerschen Polyedersatz beschrieben, welcher eine Beziehung zwischen der Anzahl der Ecken, Kanten und Flächen eines Polyeders angibt. Es wird gezeigt, dass es nur 5 platonische Körper gibt, und schließlich werden archimedische Körper betrachtet, womit wir wieder beim Fußball gelandet sind.

Prof. Dr. Gunter Malle: Kugelpackungen
Was ist die platzsparendste Methode, um Tomaten, Äpfel oder Kanonenkugeln zu stapeln ? Dies führt auf die Frage nach der dichtesten Kugelpackung, die auch in höherdimensionalen Räumen Sinn macht. Es zeigt sich, dass oft Kugelpackungen mit vielen Symmetrien besonders dicht sind. Dies nutzt man bei der Suche nach fehlerkorrigierenden Kodes aus.

Prof. Dr. Hans-Georg Rück: Darstellung von Zahlen als Summe von zwei Quadraten
Ein altes Problem der Zahlentheorie ist die Bestimmung aller natürlicher Zahlen, die sich als Summe von zwei Quadraten schreiben lassen. Wir werden an diese Problemstellung zunächst experimentell herangehen. Dann wird eine Lösung des Problems präsentiert werden, die als entscheidendes Hilfsmittel Symmetrien von gewissen Mengen benutzt.

Dr. Ralf Schaper: Symmetrien in den Darstellungen von Funktionen einer bzw. zweier reeller Veränderlicher
Mit Hilfe von Computeralgebrasystemen können heute mit einzeiligen Programmen sehr gute Darstellungen von Funktionsgraphen erzeugt werden. Damit besteht auch die Möglichkeit zur Darstellung und Analyse von Funktionsgraphen, die bisher nicht zum klassischen Schulstoff gehören. Die Darstellung von Flächen und Kurven mit Funktionen zweier Veränderlicher bietet u.a. auch ästhetische Reize. Nach entsprechender Anleitung haben die Schülerinnen und Schüler am Nachmittag Gelegenheit, mit dem Computeralgebrasystem Mathematica Funktionen zu "plotten".

Dr. Markus Wessler: Symmetrische Funktionen
Unter den Funktionen in mehreren Variablen nennt man diejenigen symmetrisch, bei denen die Reihenfolge der Variablen beliebig vertauscht werden kann, ohne den Funktionswert zu ändern. Eine spezielle Rolle spielen die sogenannten elementarsymmetrischen Funktionen, denn durch sie kann jede andere symmetrische Funktion ausgedrückt werden. Wir entdecken die elementarsymmetrischen Funktionen durch den fundamentalen Zusammenhang, den sie zwischen den Lösungen von Gleichungen und deren Koeffizienten herstellen. Automatisch stoßen wir dabei auf die symmetrische Gruppe, und es wird dadurch ein wenig deutlich gemacht, wie sehr die Untersuchung algebraischer Gleichungen zur Entwicklung der Gruppentheorie beigetragen hat.

Prof. Dr. Bernd Wollring: Symmetrie als Konstruktionsprinzip in der Papierfaltgeometrie
Geometrie wird auf verschiedene Art dargestellt: Mathematisch präzise ist die formalisierte Darstellung wie etwa bei Euklid, ausgehend von Definitioenen und Axiomen hinführend zu Befunden, die als Sätze mit Beweisen dargelegt sind. Dem steht gegenüber eine Geometrie, die durch konkretes Zeichnen oder Zeichenprogramme an Computern realisiert ist, die zwar euklidisches Konstruieren simulieren, ihrerseits aber auf anderen Prinzipien beruhen. Wir stellen diesen beiden Konzepten ein dritees gegenüber, das ganz elementar zugänglich ist, die Geometrie des Papierfaltens. Besonders kennzeichen für sie ist, dass alle ihre Konstruktionen aus der Achsenspiegelung heraus entwickelt werden. Symmetrie ist hier nicht nachträglich festgestellte Eigenschaft konstruierter Figuren, sondern handlungsleitendes Prinzip beim Herstellen von Figuren. (Im Laufe dieses Vortrags fallen Eigenaktivitäten an, es ist zweckmäßig, ein paar Bögen farbiges Papier dabei zu haben.)