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Eine schöne Tradition bilden mittlerweile die
Schülerprojektwochen am Fachbereich Mathematik/Informatik
der Universität Kassel. Hier finden interessierte
Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit zu
erfahren, dass die Mathematik
ein wenig mehr bieten kann, als es der Schulstoff
erahnen lässt. Es ist eine Chance, einen
Einblick in den Uni-Alltag zu gewinnen und sich
vielleicht ein erstes Bild von einem
Mathematik-Studium zu machen. Wie in den vergangenen Jahren
wird auch 2003 wieder
eine Schülerprojektwoche stattfinden, und zwar in der
Zeit 24.-28.02.2003. Das Thema ist diesmal "Zahlen".
Eingeladen sind Schülerinnen und Schüler
der Klassen 12 und 13 aus Kassel und Umgebung.
Zum
Thema:
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Was kann man bei diesem Thema erwarten? Letztendlich
geht alle Mathematik vom Zählen aus, und der
Mathematiker Kronecker sagte einmal: "Die
natürlichen Zahlen hat der liebe Gott gemacht,
alles andere ist Menschenwerk". Wir werden uns
mit dem klassischen Zahlaufbau (von natürlichen
über ganze und rationale bis hin zu reellen
Zahlen), mit einigen Erweiterungen der reellen
Zahlen (komplexe, hyperkomplexe) ebenso wie mit noch
"exotischeren"
Zahlbereichen beschäftigen. Auch die
Zahlentheorie, eine der mächtigsten Disziplinen
innerhalb der Mathematik, die heute zahlreiche
aktuelle Anwendungen hat, wird behandelt. Es werden
auf diese Weise zahlreiche Gebiete der Mathematik
beleuchtet und den Schülerinnen und
Schülern wird
ein erster Einblick in Inhalte und Ablauf eines
Mathematikstudiums gegeben.
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Organisatorisches:
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Die Schülerprojektwoche 2003 wird stattfinden
in der Zeit 24.-28.02.2003 und zwar täglich von
9.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Verschiedene Mitarbeiter des
Fachbereichs 17 werden zum Oberthema Zahlen
Vorträge halten. In der Regel
besteht im Anschluss an die Vorträge die
Möglichkeit, Fragen zu stellen oder das
Gehörte an
Hand von Übungen zu vertiefen.
In der Zeit von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr besteht die
Möglichkeit, in der Mensa oder der
Cafeteria zu
essen. Am Mittwoch, 26.02.2003, wird es einen
allgemeineren
Informationsnachmittag geben, an dem man alles rund um die Uni
und das Mathematik-Studium erfahren und das fragen kann, was
man schon immer fragen wollte.
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Geplanter
Ablauf:
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| 24. Februar
2003 09.15 Uhr
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Begrüßung und Organisatorisches (Markus Wessler)
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Unendlich
ist nicht gleich unendlich (Wolfram
Koepf) Vortrag als pdf |
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Es wird gezeigt, dass man die rationalen Zahlen
durchnumerieren kann, nicht aber die Dezimalzahlen.
Es gibt also viel mehr Dezimalzahlen als rationale
Zahlen. Diese bilden die Teilmenge der periodischen Dezimalzahlen.
Es werden weitere Fragen zu diesem Themenkreis behandelt: Wie stellt
man fest, ob eine
Zahl rational ist oder nicht? Wie konvertiert man periodische
Dezimalzahlen? Wie
berechnet man Dezimalapproximationen? Auf wie viele Stellen kann man
Pi berechnen? Wie kann man noch mächtigere Mengen
konstruieren? ... Da es "gleich viele" rationale wie
natürliche Zahlen gibt, stellt sich die
Frage, ob dies Komplikationen nach sich ziehen kann. Einige
Merkwürdigkeiten werden behandelt.
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| 13.15 Uhr
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Fast alle Zahlen sind normal, aber keiner kennt eine
(Herbert Ziezold) Vortrag als pdf
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Um die erste Behauptung des Titels dieses Vortrages zu
verstehen, werden wir uns zunächst klar machen, wie
der Anzahlbegriff "fast alle" definiert
ist. Dazu wird der maßtheoretische Begriff einer
"Nullmenge" eingeführt.
Danach werden wir anhand von Computersimulationen verschiedener
Zufallsexperimente das starke Gesetz der großen Zahlen
demonstrieren. Es
besagt zum Beispiel, dass in einer unendlichen Folge unabhängiger
Würfelwürfe der Mittelwert der ersten n Wurfergebnisse gegen
3,5 konvergiert, wenn n gegen Unendlich geht. (Wofür
steht hier 3,5?)
Stark vereinfachend gesagt, sind q-normale Zahlen solche, in deren
q-adischer Entwicklung jede der Ziffern 0,1,...,q-1 (und sogar jeder
endliche Ziffernkomplex einer festen Länge) gleich häufig
vorkommt. (q=2:
Dualentwicklung; q=10: Dezimalentwicklung) Eine Zahl heißt
normal, wenn sie für jedes q eine q-normale Zahl ist.
Mittels des starken Gesetzes der großen Zahlen überzeugen
wir uns davon, dass fast alle reelle Zahlen normal sind. Jedoch ist es
bis heute nicht
gelungen, eine reelle Zahl als normal zu identifizieren.
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| 25. Februar
2003 09.15 Uhr
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Mathematik
sichtbar gemacht: "Komplexe und perplexe Zahlen"
oder "Ein Bild sagt mehr als 1000 Zahlen"
(Wolfgang Metzler)
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Berechnen Sie einmal einige Punkte, die auf einem Kreis
liegen, und geben Sie diese Daten jemandem zur
Beurteilung. Sie werden feststellen, dass man den Zahlen
den Kreis nicht mehr ansieht. Beginnt man aber, die Punkte
in ein Koordinatensystem einzutragen, so springt das
verbindende Gesetz schnell wieder ins Auge.
Anfang des
letzten Jahrhunderts untersuchten G. Julia und P. Fatou
das dynamische Verhalten der sogenannten quadratischen
Familie z -> z2 + c (wobei c eine
komplexe Zahl) in der komplexen Zahlenebene.
Erst ab 1980
konnten B. Mandelbrot und andere mit Hilfe geeigneter
graphischer Massensimulationen diese Dynamiken in
(fraktalen) Bildern ausdrücken und damit die Welt der
Mathematiker ordentlich durchschütteln.
Wesentlich für diese Resultate sind die algebraische
Struktur der komplexen Zahlen und die analytischen
Eigenschaften von Polynomen (bzw. meromorphen
Funktionen). Eng verwandt mit den komplexen sind die
sogenannten perplexen Zahlen, beide Zahlräume sind
Spezialfälle sogenannter Zweierkomponentenzahlen. Im
Raum
der perplexen Zahlen birgt die Dynamik der quadratischen
Familie allerdings "enorme" Überraschungen.
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| 13.15 Uhr
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Komplex
ist nicht genug - Die
Geschichte der Quaternionen (Markus
Wessler) Vortrag als pdf
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Es wird Sir William Rowan Hamilton zugeschrieben, die
Identifikation komplexer Zahlen (die im vorhergehenden
Vortrag diskutiert wurden) mit Paaren reeller Zahlen,
versehen mit festen Rechenregeln, manifestiert zu
haben. Viele Jahre lang hoffte Hamilton dann, ein
vergleichbares Rechensystem auch für Tripel reeller
Zahlen zu schaffen, das das der komplexen Zahlen
fortsetzt. So schrieb er kurz vor seinem Tod noch
an seinen Sohn: "Every morning, on my coming down to
breakfast, you used to ask me: 'Well, Papa, can you
multiply triplets?' Whereto I was always obliged to reply,
with a sad shake of the head: 'No, I can only add and
substract them.'"
Letztendlich gelang es ihm, 1843 das
System der Quaternionen zu finden - er musste dazu
allerdings Tupel von vier reellen Zahlen benutzen, also
noch eine Dimension hochspringen. Die fundamentale
Beziehung zwischen den Basis-Quaternionen ritzte er dann
mit einem Messer in die Brougham Bridge.
Wir werden die Entstehungsgeschichte der Quaternionen
verfolgen und lernen, wie man mit ihnen rechnet, wozu sie
gut sind, aber auch, dass der Enthusiasmus Hamiltons, der
kurze Zeit viele ansteckte, auf Dauer nicht ausreichte,
den Quaternionen wirklich den historisch bedeutsamen Platz
zu geben, den er gern gesehen hätte.
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26. Februar 2003 09.15 Uhr
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Unendlich
kleine und unendlich große Zahlen (Susanne Langer)
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Wir beginnen mit der historischen
Relevanz der Fragestellung; anschließend werden
unendlich kleine und unendlich große Zahlen (mittels
und) als Folgen eingeführt und es wird gezeigt, wie
man mit ihnen rechnen kann. Mittels einer Identifikation
der reellen Zahlen als konstante Folgen werden dann aus
der Schule bekannte Begriffe wie Grenzwert, Reihen,
Funktion... übertragen.
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13.15 Uhr
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Die Bestimmung des Wertes von Grund und Boden - eine
mathematische Analyse (Hilmar Drygas)
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Die Abschreibung von Immobilienobjekten
richtet sich nicht
nach dem Kaufpreis, sondern nach dem Gebäudewert; der
Wert von Grund und Boden muss also abgezogen
werden. Hierfür vorgeschlagene Formeln des
Bundesfinanzhofs werden kritisch beleuchtet und ein
zunächst intuitiver deskriptiver, dann ein
stochastischer Ansatz diskutiert.
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| im Anschluss |
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Info-Stunde mit Kaffee und Kuchen
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27. Februar 2003 09.15 Uhr
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p-adische
Zahlen (Hans-Georg Rück) Vortrag als pdf
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Betrachtet man eine rationale Zahl, d.h. einen Bruch m/n
mit ganzen
Zahlen m und n, aus Sicht der Analysis, dann ist man meist an
ihrer Größe |m/n| interessiert, d.h. an dem Abstand von
m/n zur Zahl 0 auf dem reellen Zahlenstrahl.
Die Beschäftigung mit dieser
Größenfunktion | | führt dann in Wirklichkeit erst zur
richtigen Definition der reellen Zahlen als Grenzwerte von Folgen von
Brüchen.
Aus Sicht der Zahlentheorie ist dagegen die Frage interessanter, wie
oft eine vorgegebene Primzahl p in Zähler und Nenner des Bruches
m/n "aufgeht".
Dies liefert einen Größenbegriff von rationalen
Zahlen in Abhängigkeit dieser Primzahl p, der auf viele
Problemstellungen im Bereich von Arithmetik und Algebra angepasst
ist. Auch hier gibt es Grenzwerte von Folgen bezüglich dieser
"neuen" p-adischen Größe.
Die so entstehenden Zahlen, analog zu
den reellen wie oben beschrieben, nennt man die p-adischen Zahlen.
Wir wollen einige Eigenschaften von diesen Zahlen studieren.
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| 13.15 Uhr
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Zahlen,
Ziffern, Zeichen (Ralf Schaper)
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Die Notizen zum Vortrag sind
als Mathematica-Notebook lesbar mit einer vollen
Mathematica-Version oder dem kostenlosen MathReader.
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Wie unterscheiden sich in einigen europäischen Sprachen
die Zahlworte
etwa für 9 bis 17 ? Wieso hat ein Tag zweimal zwölf Stunden?
Wo und wann
entstand das gebräuchliche Dezimalsystem? Seit wann werden Plus-,
Wurzel- bzw. Integralzeichen benutzt? Solche und ähnliche
Fragen, die
nicht unbedingt leicht zu beantworten sind, sollen in dem Vortrag
behandelt werden. Aktuell ist z.Zt. das Problem: Wie lassen sich
mathematische Zeichen und Formeln im Internet darstellen?
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| 28. Februar 2003 09.15 Uhr |
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Conway-Zahlen (Andreas Klein)
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Bei dem Spiel Blau-Rotes-Hackenbush wird eine Figur aus
blauen und
roten Linien an eine Tafel gemalt. Zwei Spieler entfernen
abwechselnd je ein Kante. Dabei darf ein Spieler in seinem Zug nur
blaue und der andere Spiele nur rote Kanten entfernen. Kanten, die nach
einem Zug nicht mehr mit dem Boden verbunden sind, werden ebenfalls
sofort entfernt.
Es stellt sich heraus, dass Hackenbush Positionen auf natürliche
Weise Zahlen entsprechen. Dies führt zu einer eleganten
Zahlkonstruktion, die nicht nur reelle, sondern auch transfinite und
infinitesimale Zahlen liefert.
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| 13.15 Uhr |
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Abschluss
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