Computeralgebra-Tagung in Kassel 2003
Die Fachgruppe Computeralgebra der GI, DMV und GAMM organisiert eine
Tagung zur Forschung auf dem Gebiet der Computeralgebra. Die Tagung
findet in der Zeit vom 15.-17. Mai 2003 an der Universität Kassel
statt. Genaue Anschrift (Wegbeschreibung):
Universität Kassel
Fachbereich Mathematik/Informatik
Räume 1403, 1409
Heinrich-Plett-Str. 40
34132 Kassel
Die Tagung wird am 15. Mai 2003 um 13:30 Uhr eröffnet (Anreisetag)
und endet am 17. Mai 2003 um die Mittagszeit (Abreisetag).
Ziel ist es, ein Forum zu bieten, das es erstens auch jüngeren
Nachwuchswissenschaftlern ermöglicht, ihre Ergebnisse vorzustellen,
andererseits aber auch einige Hauptvortragende zu gewinnen, die
Übersichtsvorträge
über wichtige Gebiete der Computeralgebra und über
(in Deutschland mitentwickelte) Computeralgebra-Software geben sollen.
Die Organisation vor Ort hat Prof. Gunter Malle übernommen.
Endgültiges Tagungsprogramm
Liste der Tagungsteilnehmer inclusive Abstracts bzw. Vortragsausarbeitungen
Tagungsfoto
Bildergalerie
Computeralgebra-Tagung 2005
Hauptvorträge
Prof. Wolfram Decker (Saarbrücken):
Computeralgebramethoden in der algebraischen Geometrie
Algebraische Geometer studieren Kurven, Flächen
oder andere geometrische Objekte,
die als Lösungsmengen polynomialer Gleichungen auftreten. Ein
wichtiges Hilfsmittel
ist ein geometrisch-algebraisches Wörterbuch, das geometrische
Eigenschaften in
algebraische Eigenschaften übersetzt und umgekehrt. Dieses
Wörterbuch erlaubt es
insbesondere, moderne Computeralgebramethoden zur intensiven
Beispielrechnung heranzuziehen.
Durch solche Experimente kann man mathematische Zusammenhänge
erkennen oder etwa Gegenbeispiele
zu Vermutungen finden. In meinem Vortrag spreche ich unter anderem
folgende Fragen an:
Was kann heute in der algebraischen Geometrie berechnet werden?
Welche Computeralgebrasysteme sind für diese Rechnungen geeignet?
Was sind typische Anwendungen?
Prof. Bettina Eick (Braunschweig):
Algorithmische Gruppentheorie mit dem Computeralgebrasystem
GAP
Gruppen spielen eine wichtige Rolle in der Algebra: sie werden verwendet,
um die Symmetrien von Objekten zu studieren, und sie haben Anwendungen, die
von der Unlösbarkeit von Gleichungen 5. Grades bis hin zur Kristallographie
reichen.
Die algorithmische Gruppentheorie ist ein wichtiges Hilfmittel zur
Untersuchung und Klassifizierung von Gruppen. So kann man zum Beispiel
mit Hilfe von Algorithmen den Rubik's Cube sehr leicht im Detail
studieren; ein Projekt, welches ohne den Einsatz von Computern nicht so
einfach ist. Weitere Anwendungen der algorithmischen Gruppentheorie
sind in der Untersuchung von kristallographischen Gruppen oder von
topologischen Gruppen zu finden.
In der Entwicklung von Algorithmen zur Behandlung von Gruppen spielt die
Darstellung der gegebenen Gruppen eine fundamentale Rolle. Daher kann man
die algorithmische Gruppentheorie in eine Reihe von Teilgebieten einteilen:
sehr bekannt sind hier zum Beispiel Algorithmen für Permutationsgruppen,
Algorithmen für Matrixgruppen oder Algorithmen für endlich präsentierte
Gruppen. Weniger bekannt, aber trotzdem sehr interessant sind zum Beispiel
Methoden zum Rechnen mit freien Gruppen oder mit polyzyklischen Gruppen.
In diesem Vortrag soll ein Überblick über verschiedene, aktuelle
Teilgebiete und den Stand der Technik in diesen Gebieten gegeben werden.
Dr. Claus Fieker (Sydney):
Konstruktive Klassenkörpertheorie in globalen Körpern
Endliche Erweiterungen von Polynomringen über endlichen Körpern haben
viele Gemeinsamkeiten mit endlichen Erweiterungen der rationalen Zahlen,
speziell sind dies Körper, in denen die Produktformel gilt.
Diese Körper heißen "Globale Körper".
Klassenkörpertheorie klassifiziert abelsche Erweiterungen durch
Invarianten des Grundkörpers. Die Grundlagen der Theorie sind um
1930 entwickelt worden. Es wurde gezeigt, dass abelsche Erweiterungen
durch verallgemeinerte Klassengruppen (Strahlklassengruppen) beschreibbar sind.
Es ist jedoch ein offenes Problem, explizite Erzeuger für
Klassenkörper zu bestimmen.
Nachdem es in den letzten Jahren durch Fortschritte in der konstruktiven
Zahlentheorie möglich geworden ist, mit Hilfe von algorithmischen Methoden
für abelsche Erweiterungen von Zahlkörpern Erzeuger zu bestimmen,
ist es nun an der Zeit, generische Algorithmen für
globale Körper zu entwickeln.
In diesem Vortrag werde ich erklären, wie die Klassengruppen zu
Strahlklassengruppen verallgemeinert werden und wie dies für die
Bestimmung expliziter Erzeuger benutzt werden kann.
Ich werde sowohl auf die Gemeinsamkeiten als
auch auf die Unterschiede der beiden Typen globaler Körper eingehen und damit
auch die Grenzen der generisch "globalen" Methoden aufzeigen.
Explizite Klassenkörpertheorie für Funktionenkörper hat wichtige
Anwendungen in der Kodierungstheorie: viele der derzeit besten Codes
korrespondieren direkt zu abelschen Erweiterungen
geeigneter Funktionenkörper. Um diese Codes benutzen zu
können, ist das Bestimmen expliziter Erzeuger der erste Schritt.
Prof. Martin Kreuzer (Dortmund):
Effiziente Berechnung von Gröbner-Basen
Viele wichtige Verfahren der Computeralgebra basieren auf der
Berechnung von Gröbner-Basen. Deshalb ist es von zentraler
Bedeutung, Algorithmen zu finden, die Gröbner-Basen effizient
berechnen, sowie bekannte Algorithmen wie den
Buchberger-Algorithmus
zu optimieren.
Im ersten Teil des Vortrags betrachten wir verschiedene
Möglichkeiten
zur Optimierung des Buchberger-Algorithmus im homogenen Fall.
Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Minimierung der
abzuarbeitenden
kritischen Paare. Wann man jedoch ein kritisches Paar als
überflüssig betrachen kann, hängt vom Kontext der
Berechnung ab.
Sicherlich kann man sich auf eine Menge von kritischen Paaren
beschränken, die ein minimales Erzeugendensystem des
Syzygienmoduls
der Leitterme der Gröbner-Basis darstellt. Der neue Algorithmus
von
Caboara-K.-Robbiano zeigt, dass eine derartige minimale Menge
kritischer Paare effizient während einer
Gröbner-Basisberechnung
gefunden werden kann.
Im zweiten Teil des Vortrags behandeln wir einige speziellere
Fälle
von Gröbner-Basisberechnungen, in denen bessere Methoden als
der
Buchberger-Algorithmus bekannt sind. Unter Anderem betrachten wir
die Frage der Berechnung des Kerns einer $K$-linearen Abbildung
$K[x_1,\dots,x_n] \longrightarrow K^s$, wenn bekannt ist, dass
dieser
ein Ideal darstellt. Spezialfälle dieses allgemeinen Problems
sind
z.B. die multivariate Interpolation, Hermite-Interpolation
und homogene Implizitisierung.
Wir zeigen verschiedene Versionen des Buchberger-Möller-Algorithmus,
die die Aufgabe über verschiedenen Grundkörpern $K$ effizient
lösen. Im Fall der Berechnung des homogenen
Verschwindungsideals eines
projektiven nulldimensionalen Schemas treten weitere
Schwierigkeiten
auf, weil der Zielvektorraum nicht mehr endlichdimensional ist.
Führt man die Endlichkeit dadurch herbei, dass man gradweise
vorgeht,
so benötigt man ein effizientes Stoppkriterium, wie es z.B. im
vorliegenden Fall von Abbott-Bigatti-K.-Robbiano gefunden wurde.
Prof. Tsuyoshi Takagi (Darmstadt):
Cryptographical Algorithms
Der Vortrag befasst sich mit beweisbarer sicherer Kryptographie.
Die Kryptographie ist die fundamentale Infrastruktur für die
sichere Kommunikation über das Internet, nämlich SSL/WTSL,
IPSEC, WAP, usw. Um das Sicherheitslevel der Kryptographie
korrekt einschätzen zu können, benötigen wir
Sicherheitsmodelle. Eines dieser Standardmodelle ist die sog.
Semantische Sicherheit. Im Vortrag wird NICE-X präsentiert,
das beweisbar sicher in Hinsicht auf semantische Sicherheit ist
und auf quadratischen Zahlkörpern beruht.
Anmeldung
Bitte beachten Sie die Deadlines:
Anmeldung eines Vortrags: 1. März 2003
Anmeldung ohne Vortrag: 15. April 2003
und senden Sie das ausgefüllte Anmeldeformular
(hier als
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per Fax an 0561/804-4646 oder per e-mail an
malle@mathematik.uni-kassel.de.
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